Saisonbilanz 2008/09

Kategorie: Allgemein

Bilanz der 46. Bundesliga-Saison 2008/09

Eine Saison der Rekorde!

· Noch nie waren Meisterschaftsrennen und Abstiegskampf so spannend wie in diesem Jahr.

· Der Wolfsburger Josué ist der erste Brasilianer, der als Kapitän die Meisterschale in Empfang nehmen durfte!

· Noch nie gab es ein so erfolgreiches Stürmerduo eines Vereins: Grafite (Torschützenkönig mit 28 Treffern) und Dzeko (26) erzielten zusammen 54 Tore (bisher: Gerd Müller und Uli Hoeness, Bayern, mit 53 Treffern 1971/72 und 1972/73).

· Wolfsburg hat den Rekord von Gladbach - 10 Siege hintereinander in einer Spielzeit - eingestellt.

· Wolfsburgs Regisseur Misimovic hat einen Rekord im Vorbereiten von Toren aufgestellt: 20 mal legte er für einen Mitspieler auf (bisher mehrere Spieler 18).

· Noch nie hat ein Verein 14 Siege mit einem Tor Unterschied in einer Saison nach Hause gefahren: Hertha BSC Berlin (bisher: Uerdingen, Schalke und HSV mit 13).

· Noch nie benötigte ein Nicht-Absteiger so wenig Punkte wie in diesem Jahr seit Einführung der 3-Punkte-Regel: Gladbach mit 31 oder - falls es die Relegation gewinnt - Cottbus mit 30 Punkten (bisher: Nürnberg, Wolfsburg und Bielefeld mit 34 Punkten).

· Arminia Bielefeld hat den Abstiegsrekord vom Club aus Nürnberg eingestellt (7mal runter in die 2. Liga)

· Valeri Domovchyski (Hertha BSC) hat die ersten 29 Spiele seiner Laufbahn alle nur als Einwechselspieler absolvieren dürfen (bisher: Wück, Nürnberg 25 Spiele).

· Der Bochumer Daniel Fernandes ist der Torwart, der am frühesten die rote Karte sah. Das war am 16. Spieltag in der 5. Minute in Frankfurt (bisher: Bräutigam, Rostock, 1996/97, nach 8 Minuten).

· Paul Freier (Bochum) stellte den Rekord von Christian Poulsen (Schalke) aus der Saison 2005/06 ein: 9 gelbe Karten hintereinander!

· Noch nie wurden so viele Torhüter eingesetzt, nämlich 40 (bisherige Höchstmarke: 39 in 1991/92, 1999/00 und 2003/04).

· Ein neuer Zuschauerrekord ist zu vermelden: über 13 Millionen!

· Und nun eine unstatistische persönliche Stellungnahme des Statistikers:
Diese Saison war diejenige mit den meisten spektakulären Spielen.
Hier meine Top Five:

  1. 1. Bayern München - TSG 1899 Hoffenheim 2:1 (16. Spieltag)

  2. 2. Werder Bremen - TSG 1899 Hoffenheim 5:4 (6. Spieltag)

  3. 3. VfL Wolfsburg - FC Schalke 04    4:3 (24. Spieltag)

  4. 4. Bayern München - Werder Bremen 2:5 (5. Spieltag)

  5. 5. Bayer Leverkusen - TSG 1899 Hoffenheim 5:2 (3. Spieltag).

  6. Die Mannschaft, die in dieser Liste 3 mal vorkommt, ist der Neuling TSG 1899 Hoffenheim, der ganz gewiss mit den attraktivsten Fußball gespielt hat, auch wenn er in der Rückrunde schwächelte!

Der Meister

VfL Wolfsburg ist die 12. Mannschaft, die Meister wurde. Spitzenreiter mit 20 Bundesliga-Titeln ist immer noch der FC Bayern, gefolgt von Borussia Mönchengladbach (5 mal in den 70er Jahren), Werder Bremen (4), Dortmund, Hamburger SV und VfB Stuttgart (je 3).

Die VW-Städter sind zudem erst die 5. Meistermannschaft, die mehr als 40 Gegentore kassiert hat und trotzdem alle anderen Vereine hinter sich ließ. Andererseits sind sie seit 1986 der erste Meister, der 80 Tore oder mehr geschossen hat (damals der FC Bayern mit 82 Toren). Ein Beweis für ihre offensiv ausgerichtete Spielweise.


Ihre beiden Top-Torjäger Grafite und Dzeko sind zudem die beiden besten Goalgetter der Liga. Dass diese aus einem Verein kommen, hat es in der 46-jährigen Geschichte der höchsten deutschen Spielklasse erst ein Mal gegeben, 1995/96 wurde Fredi Bobic (damals VfB Stuttgart) Bundesliga-Torschützenkönig mit 17 Treffern, gefolgt von seinem Vereinskameraden Giovane Elber mit 16. Da waren Grafite und Dzeko mit 28 bzw. 26 Treffern sogar noch erfolgreicher.

Und dann der -Glückliche-, Trainer Felix Magath. Er ist der 7. Übungsleiter, der mit 2 verschiedenen Mannschaften (Bayern/Wolfsburg) Bundesliga-Meister wurde. Das haben vor ihm nur Max Merkel (München/Nürnberg), Branko Zebec (Bayern/HSV), Hennes Weisweiler (Gladbach/Köln), Udo Lattek (Bayern/Gladbach), Otto Rehhagel (Bremen/Kaiserslautern) und Ottmar Hitzfeld (Dortmund/Bayern) geschafft.

Die wenigsten Punkte für einen Nicht-Absteiger

Noch nie seit Einführung der 3-Punkte-Regel 1995 ist eine Mannschaft mit so wenig Punkten wie Mönchengladbach (31 Punkte) auf dem ersten Nichtabstiegsplatz gelandet. Setzt Cottbus sich in der Relegation gegen Nürnberg durch, sind es sogar nur 30. Ganz anders als in der Saison 1997/98: Da erwischte es Karlsruhe mit 38 Punkten und dem schlechteren Torverhältnis gegenüber Mönchengladbach.

Torquote nicht schlecht, aber auch nicht überragend

Mit 894 Toren (= 2,9 pro Spiel) wurde die 3 Tore-Grenze knapp unterschritten. Aber es war die höchste Torquote seit 5 Jahren (2003/04: 909).

Am 14., 24. und letzten Spieltag wurde am häufigsten das Runde in das Eckige befördert, nämlich 34mal. Rekord sind immer noch die 53 Tore vom 32. Spieltag der Saison 1983/84.

Die Zeiten, in denen über 1000 Tore in einer Saison fielen, sind längst vorbei: 1983/84 waren es 1097 (= fast 3,6 im Schnitt) in einer Saison. Insgesamt fielen in 46 Jahren 43.310 Treffer in 13.978 Spielen (= 3,1 im Schnitt).

Es gab 19 Eigentore, die meisten (4) am letzten Spieltag. Diese 19 Treffer ins falsche Tor wurden alle von unterschiedlichen Spielern erzielt. Keiner war doppelter Unglücksrabe wie im letzten Jahr Costa (Wolfsburg). Der Minus-Rekord steht übrigens bei 11 Eigentoren aus der Saison 1966/67.

Joker-Tore von eingewechselten Spielern gab es 75, erheblich weniger als letztes Jahr (91), eine unterdurchschnittliche Quote, die 110 Joker-Tore aus der Saison 2004/05 blieben außer Sichtweite.

Am erfolgreichsten in dieser Saison wechselte der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp ein. Seine Einwechselspieler erzielten insgesamt 12 Joker-Tore, gefolgt von Hertha BSC mit 8. Damit hätten die Borussia fast den Rekord von Werder Bremen aus der Saison 2006/07 (15) erreicht.

Beste Joker waren Zidan (Dortmund, 17mal eingewechselt) und Borowski (Bayern, 19mal) mit jeweils 4 Toren.

Wie im letzten Jahr: Schlechte Bilanz für die Heimvereine

Es gab nur 147 (2007/08: 143) Heimsiege in 306 Spielen, das sind 48%. 74 (78) Unentschieden stehen immerhin 85 Auswärtssiege (wie im letzten Jahr) gegenüber.

Es wurde 1673 mal aus- und eingewechselt, fast genauso oft wie 2007/08 (1688). Am häufigsten machten davon Cottbus und Hannover Gebrauch, genau 101 mal. Das bedeutet, dass sie 1 mal nicht das volle Einwechselkontingent ausschöpften. Am wenigsten wechselte wie in der vergangenen Saison die Frankfurter Eintracht ein (80 mal), die bei ihrer 0:5-Niederlage in Bremen am 15. Spieltag sogar mit 11 Mann durchspielte. Das tat auch Leverkusen beim 1:1 in Dortmund am 18. Spieltag.


Dortmund: Verein mit den wenigsten gelben Karten

Bei den gelben Karten erwiesen sich die Borussen aus Dortmund als die fairsten. 48 mal (letztes Jahr Bayern mit 46) wurde gegen sie gelb gezeigt, es folgen Bremen mit 55 und der Meister Wolfsburg mit 56. Die meisten kassierten Frankfurt (76, letztes Jahr Absteiger Duisburg mit 86) vor Bochum und dem HSV (75).

Luis Gustavo (Hoffenheim): Spieler mit den meisten gelben Karten

1164mal wurde der gelbe Karton (ohne gelb-rot) gezeigt, 58 mehr als letzte Saison. Luis Gustavo vom Aufsteiger Hoffenheim hat mit 11 gelben Karten und zwei gelb-roten mit 15 am häufigsten gelb gesehen in der abgelaufenen Saison. Ihm folgen Vidal (Leverkusen) mit 14 (10 gelbe + 2 gelb-rote), Rafinha (Schalke) mit 13, Ochs (Frankfurt) ebenfalls 13 (11 gelbe und 1x gelb-rot) sowie Jarolim (HSV) mit 12 (10 gelbe + 1 gelb-rote).

In der ewigen -Bestenliste- steht Luis Gustavo damit auf dem 5. Platz, gemeinsam mit 4 anderen Kollegen. Es führen hier noch immer Effenberg (Gladbach, 1997/98) und Poulsen (Schalke, 2005/06) mit je 17 vor Hajto (Duisburg, 1998/99) und Hollerbach (HSV, 2000/01) mit je 16 gelben Karten in einer Spielzeit.

Bochum mit den meisten Platzverweisen

Bei den Platzverweisen führen die Bochumer mit 7 vor Hoffenheim und Schalke mit 6. Damit erreichten sie aber noch lange nicht den Rekord von 1860 München (12 Platzverweise, 5 gelb-rote und 7 rote) aus dem Jahr 1994/95. Insgesamt gab es 62 (32 gelb-rote und 30 rote) Karten. Das ist die viertniedrigste Zahl seit Einführung der gelb-roten Karte in der Saison 1991/92, bisher waren das 50 Platzverweise in der letzten Saison (meiste: 98 in 1994/95). Nur Stuttgart und Gladbach überstanden die 34 Spiele ohne Herausstellung.

Die 5 Spieler, die zwei Mal vom Platz flogen, waren Chris (Frankfurt, 2 x rot), Engelaar (Schalke, 1 x gelb-rot, 1 x rot), Luiz Gustavo (Hoffenheim), Jones (Schalke) und Vidal (Leverkusen, jeweils 2 x gelb-rot).

Elfmeterschützen durchschnittlich treffsicher

Von 77 Elfmetern, eine niedrige Quote, wurden 59 verwandelt (= 77%, letztes Jahr 48 von 60 = 80%). 12 mal konnten die Torhüter den Schuss halten, 6 gingen an die Latte oder vorbei.

Die meisten Elfmeter zugesprochen bekam Meister Wolfsburg mit 11 (10 verwandelt) vor Neuling Hoffenheim 10 (8 verwandelt).

Die meisten Elfmeter wurden gegen die Frankfurter Eintracht verhängt: 11 (8 verwandelt). Es folgen Cottbus und Gladbach mit 7.

Der erfolgreichste Elfmeterschütze war Torschützenkönig Grafite. Er trat 8mal an und verwandelte jedesmal. Ihm folgt Frei (Dortmund) mit 6 Versuchen und 6 Treffern.

Die erfolgreichsten Elfmetertöter waren Pröll (Frankfurt) und (Tremmel Cottbus): sie hielten jeweils 2 von 7 Elfmetern.

Apropos Torwarte

Roman Weidenfeller war der beste Torwart dieser Saison, nimmt man die Spiele, in denen keine Gegentore kassiert wurden. Das waren bei dem Dortmunder Keeper immerhin 13 in 32 Spielen, während Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann (Stuttgart) ebenfalls 13mal seinen Kasten sauber hielt, aber alle 34 Spiele mitmachte. Den beiden folgen Manuel Neuer (Schalke, 11 aus 27) und vom Meister Wolfsburg Diego Benaglio (11 aus 31).

Am meisten mussten die Toreverhinderer der drei Tabellenletzten hinter sich greifen: Tremmel (Cottbus) 57, Eilhoff (Bielefeld, jeweils 34 Spiele) 56 und Miller (Karlsruhe, 33 Spiele) 52mal.


Nur 6 Trainer-Trennungen

Nur 6 Trainer wurden vorzeitig entlassen bzw. kündigten den Vertrag selbst (wie zuletzt Funkel, Frankfurt), letzte Spielzeit waren es sogar nur 4, vorletzte Saison aber 12.

Immerhin gelang es Hans Meyer, die Gladbacher als Nachfolger des in dieser Saison als erstem Trainer entlassenen Jos Luhukay vor dem Abstieg zu retten. Die übrigen Gefeuerten waren alle besser platziert. Das sind sehr wenig Trainer-Entlassungen, die meisten gab es in der Saison 2003/04 mit 14 und 1991/92 mit 13.

Kinhöfer, Meyer und Stark die meistbeschäftigten Schiedsrichter: 20 Spiele

Im Gegensatz zum letzten Jahr wurde kein Referee mehr als 20 mal eingesetzt (2007/08: Merk und Fandel 24). Merk hat seine Karriere beendet und bleibt wohl noch lange mit insgesamt 339 Einsätzen vorne. Fandel wird ihn auch nicht einholen können, da er nur noch in der kommenden Spielzeit pfeifen darf und dann die Altersgrenze erreicht hat. Aber in dieser abgelaufenen Saison hat er mit 247 Spielen Krug (240) überholen können und sich an die 2. Stelle gesetzt. Von den noch aktiven Schiedsrichtern hat Stark durch die Leitung des Spieles in Cottbus am letzten Spieltag genau 200 Spiele und seinen Kollegen Fröhlich (beendete 2005 seine Laufbahn) erreicht, liegt damit auf Platz 5 der ewigen Bestenliste, ein Spiel hinter Steinborn (201). Schiri Stark wird im November 40 Jahre alt und kann in den nächsten Jahren Fandel und Krug noch überholen.

Zuschauerrekord:

Geschätzte 13,171 Millionen Zuschauer besuchten die Spiele, das sind fast eine Million mehr (!) als in der letzten Saison und 43.042 pro Spiel. Und bestätigt damit unsere Vorhersage von der Saisonbilanz 2007/08. Da hatten wir vermutet, dass der Zuschauerrekord aus der Saison 2005/06 (12,640 Millionen, Schnitt: 41.307) gebrochen werden könnte, weil mit Köln und Gladbach zwei Vereine in die Eliteklasse zurückkehren, die mit einer Kapazität von 50.000 bzw. 55.000 Zuschauern und einem sehr treuen Publikum Vereine mit kleineren Stadien wie Rostock und Duisburg ablösen. Genauso ist es gekommen. Eine solche Quote ist die beste weltweit. Selbst die Premier-League in England, die Ligen in Italien und Spanien kommen an einen solchen Zuschauerschnitt nicht heran. Bedenkt man zudem, dass es vor 10 Jahren noch unter 30.000 pro Spiel, vor 5 Jahren knapp über 36.000 im Schnitt waren, eine sensationelle Entwicklung.

Übrigens sind unsere Zuschauerzahlen nicht die der verkauften Eintrittskarten, sondern die von den anwesenden Sportjournalisten geschätzten Besucher einschließlich Ehrengäste und Presse. Die meisten Zuschauer kamen natürlich - wie immer in den letzten Jahren - nach Dortmund: 1,285 Millionen (Schnitt: 75.588). Den eigenen Zuschauerrekord aus der Saison 2003/04 mit 1,358 Mio. (Schnitt: 79.882) hätten sie nur erreicht, wenn sie 18 statt 17 Heimspiele gehabt hätten. Den Borussen folgt Bayern München, das seit zwei Spielzeiten jedes Spiel ausverkauft hatte mit 69.000 Zuschauern (macht 1,173 Mio. insgesamt). Der dritte Verein mit mehr als 1 Million Zuschauern in 17 Spielen ist der FC Schalke 04, der nur zwei Mal ganz knapp nicht ausverkauft war, 1,052 Millionen Fans im eigenen Stadion hatte, was einen Schnitt von 61.882 pro Spiel ausmacht.