Bilanz der Vorrunde 2018/19

Kategorie: Allgemein

Die Vorrunden-Bilanz der Fußball-Bundesliga:

Joker-Tore wie noch nie!

FC Bayern: nach 7 „Herbstmeistertiteln“ in Folge von Dortmund abgelöst

Die Münchner standen zum ersten Mal seit 2011 nach dem 17. Spieltag nicht auf dem 1. Platz. Mit 13 Siegen, 3 Unentschieden und einer Niederlage (1:2 beim Aufsteiger in Düsseldorf am 16. Spieltag) konnte Dauerrivale Borussia Dortmund mit der besten Vorrundenbilanz, die dieser Club jemals in der Eliteliga erreichte,  die Bayern überflügeln und hat sogar sechs Punkte Vorsprung. Eine interessante Rückrunde ist vorprogrammiert und damit zum ersten Mal eine spannende Meisterschaft, vielleicht sogar bis zum Saisonende.

Deutlich mehr Tore

Gab es im letzten Jahr schon 16 Tore mehr als 2016, so steigerte sich die Liga heuer auf 465 Tore, das sind 41 mehr als 2017. Das ergibt 3,04 pro Spiel (2017: 2,77) und fast so viele wie 2013. Am 12. Spieltag fielen mit 36 die meisten (= 4,0 pro Match), eine Woche später mit 18 (= 2,0 im Schnitt) die wenigsten Tore. Auffallend die gestiegene Zahl der Auswärtssiege, 46 gegenüber 40 in 2017. Dagegen gab es mit 38 sieben Remis weniger, die Zahl der Heimsiege blieb fast gleich: 69 gegenüber 68.

Joker-Tore-Rekord

Mit 77 (Vorjahr 47) Das Vorrunden-Hoch von 63 aus der vorletzten Saison wurde deutlich übertroffen: 77. Das gab es noch nie. Mit Paco Alcacer tauchte der beste Joker aller Zeiten wie Phönix aus der Asche auf. Sieben Mal eingewechselt, erzielte er unglaubliche zehn Joker-Tore. Damit übertraf er bereits nach der Vorrunde den bisherigen Saisonrekord von Ganea (Stuttgart, 2002/03) und Petersen (Freiburg, 2016/17, je neun). Den kann er in der Rückrunde noch ausbauen, es sei denn, er steht öfter als bisher in der Startelf. Nach ihm folgt mit weitem Abstand Nelson (Hoffenheim) mit drei Joker-Toren. Der absolute Rekord an JoTos in einer Saison aus 2016/17 (124) dürfte weit vor Ende der Saison gebrochen sein, dazu benötigt man nur noch 48. Die Dortmunder Borussen haben insgesamt 14mal durch eingewechselte Spieler getroffen, der Saison-Rekord von Bremen (2006/07) und dem FC Bayern (2013/14) könnte locker geknackt werden. Am wenigsten aufmerksam gegen Einwechsler waren die Augsburger (9 Gegentore durch Joker), Stuttgarter (8) und Frankfurter (7).

Mehr Doppelpacks

49mal (Vorjahr 33, 2016: 42) wurde mindestens doppelt von Goalgettern getroffen. Wie im letzten Jahr gab es 5mal (2016: 6, 2015: 7) einen Dreierpack und am 8. Spieltag beim 7:1-Sieg der Frankfurter gegen Düsseldorf den Fünferpack von Luka Jovic. Die meisten Doppelpacks erzielte Nationalstürmer Timo Werner aus Leipzig (5). Durch ihn, Poulsen (3) und Sabitzer (1) waren die Sachsen auch die Mannschaft mit den meisten DoPas (9) vor dem FC Bayern mit 6 und Dortmund (5). Die Torhüter Jarstein (Hertha BSC) und Rensing (Düsseldorf) kassierten die meisten, nämlich  fünf. Nürnberg mit 6 und Hertha BSC sowie Düsseldorf mit je 5 ließen die meisten Doppelpacks zu.

Aus- und Einwechslungen

Insgesamt wurde 893mal eingewechselt (ein Mal mehr als 2017), von 918 möglichen. Die Herthaner aus Berlin wechselten am 12. Spieltag beim 3:3 gegen Hoffenheim als einzige in der Vorrunde nur einen Spieler ein. Der Aufsteiger aus Düsseldorf machte nur in 12 von 17 Spielen vom Recht, drei Spieler einzuwechseln, Gebrauch. 8 Vereine (Bremen, Gladbach, Leipzig, Leverkusen, Mainz, München, Schalke, Stuttgart) dagegen tauschten in jedem Vorrundenspiel drei Spieler aus. Vedad Ibisevic (Hertha BSC) wurde am häufigsten vom Feld geholt: 13mal in 17 Spielen. Er war auch einer der drei  Akteure, die 15mal weniger als 90 Minuten auf dem Platz standen, denn „Vedo“ wurde auch noch zwei Mal eingewechselt. Der Zweite: Renato Steffen (Wolfsburg), 7mal raus und 8mal rein. Der Dritte: Thommy (Stuttgart,  7mal raus, 9mal rein, einmal sogar ein- und ausgewechselt). Am Häufigsten von der Bank gebracht wurde der Bremer Altmeister Claudio Pizarro: 12mal  in 14 Spielen.

Eine Sonderstellung nimmt der Augsburger Sergio Cordova ein. Er wurde in zehn Spielen immer eingewechselt und hat in seiner bisherigen BL-Karriere noch in keinem Spiel 90 Minuten auf dem Platz gestanden. Im letzten Jahr in 26 Spielen drei Mal in der Startelf, wurde der Stürmer aus Venezuela in seinen bisher 36 Spielen also 33mal eingewechselt (siehe unsere Graphik). Immerhin hat er dabei 4 Tore geschossen. In der Statistik „nur unvollständige Spiele in der gesamten BL-Laufbahn“ liegt er auf dem gemeinsamen 3. Platz. Vor ihm Sebastian Kerk aus Nürnberg. Von 2013-14 wurde er beim SC Freiburg in 29 Spielen nur 5mal für die Startelf nominiert und kam 24mal von der Bank ins Spiel. Letzte Saison zum Zweitligist Nürnberg gewechselt und mit diesem in die Eliteliga aufgestiegen, wurde er in dieser Vorrunde in sechs Spielen von Beginn an aufgeboten und zwei Mal eingewechselt. Damit ist er nur noch ein Spiel hinter dem „Spitzenreiter“ Izet Hajrovic. Der wurde am 3.12.2016 im Spiel gegen Ingolstadt in der 74. Minute ein- und in der 88. Minute wieder ausgewechselt und kickt inzwischen beim kroatischen Dinamo Zagreb, kann also nicht mehr zahlenmäßig zulegen. Allerdings: Stehen Kerk, Cordova und Johannsson in der Rückrunde nur ein Mal 90 Minuten auf dem Platz, werden sie natürlich aus dieser Statistik gestrichen.

Nur unvollständige Spiele in der gesamten BL-Laufbahn

Spieler

Verein/e

Spiele

aus

ein

Zeitraum

Izet Hajrovic

Werder Bremen

38

15

24

2014-17

Sebastian Kerk

SC Freiburg / 1.FC Nürnberg

37

11

26

2012-15 / 2018/19

Sergio Cordova

FC Augsburg

36

3

33

2017-18

Paschalis Seretis

SC Freiburg

36

4

32

1993-97

Christoph Westerthaler

Eintracht Frankfurt

31

4

27

1998-99

Chinedu Ede

Hertha BSC / Mainz 05

28

7

21

2006-08

Lars Jungnickel

Energie Cottbus

27

5

22

2001-06

Aron Johannsson

Werder Bremen

27

9

18

2015-18

Seit 1967/68 darf aus-/eingewechselt werden, damals ein Spieler, ab 1968/69 zwei, ab 1994/95 zwei und der Torwart, ab 1995/96 drei Akteure.

Immer dabei

51 Spieler absolvierten alle 17 Vorrundenspiele. Keine einzige Minute verpassten davon 15 Spieler (2017: 19, 2016:14, 2015: 25), davon sechs Torhüter (Gulacsi, Leipzig; Neuer, FC Bayern; Rensing, Düsseldorf; Schwolow, Freiburg; Sommer, Gladbach; Zieler, Stuttgart). Dass eine solche Konstanz mehr Feldspieler als Torhüter aufweisen, ist äußerst selten, war aber in dieser Vorrunde der Fall: neun spielten durch (2017: 8): Anton, Hannover; Gebre Selassie, Bremen; Günter und Heintz, Freiburg; Kimmich, FC Bayern; Lazaro, Hertha BSC; Margreitter und Mühl, Nürnberg; S.Sané, Schalke. Wobei der Freiburger Verteidiger Christian Günter schon die gesamte letzte Saison 2017/18 durchspielte, ohne eine Minute zu verpassen. Rechnet man die letzten fünf kompletten Spiele der Saison 2016/17 hinzu, hat er also 56 Matches in Folge mit jeweils 90 Minuten absolviert und dabei eine Sperre durch fünf gelbe Karten bzw. einen Platzverweis verhindert. Ein Zeichen für Fitness und Fairness! Von den BL-Debütanten dieser Hinrunde schafften es außer Margreitter und Mühl immerhin acht, alle 17 Vorrundenspiele mitzumachen, wenn auch nicht immer über 90 Minuten: Klaassen (Bremen), Mateta und Niakhaté (Mainz), Ndicka (Frankfurt), Neuhaus, Plea (beide Gladbach), Weghorst (Wolfsburg) und Witsel (Dortmund).                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       

Bereits 27 Spieler setzte Mainz 05 ein, davon 6 Spieler gerade ein Mal, vor Schalke (26), die wenigsten Leipzig mit 19.

Elfmeter

Der Top-Wert aus der gesamten Saison 1974/75 (126) ist in weiter Ferne, denn es wurden in dieser Herbstserie „nur“ 46 Elfmeter verhängt, am 15. und 17. Spieltag überhaupt keiner. Das sind 11 weniger als 2017. Aber nur sieben wurden verschossen (fünf gehalten, zwei vorbei/drüber). Das ist eine Erfolgsquote der Schützen von 85%, die seit Jahren nicht mehr erreicht wurde (2017: 82%, 2016 sogar nur 64%).

Thorgan Hazard (Gladbach) trat 5mal an den ominösen Punkt , ein Mal schoss er drüber, ein Mal hielt Torwart Özcan (Leverkusen), am 1. Spieltag. Bentaleb (Schalke) und Waldschmidt (Freiburg) verwandelte ihre drei Elfer. Die meisten Elfmeter bekamen die „Fohlen „ aus Gladbach zugesprochen: sechs, Freiburg und Schalke jeweils fünf. Alle diese Vereine verwandelten vier. Gegen Hannover wurden sechs 11er verhängt (5 verwandelt), gegen Hoffenheim (alle verw.) und Hertha BSC Berlin je fünf (3 verw.). Fünf Mal standen die Torhüter Esser (Hannover, einer gehalten von Wendell, Leverkusen) und Jarstein (Hertha BSC, einer gehalten von Ishak, Nürnberg, einer vorbei von Caligiuri, Schalke) einem gegnerischen Schützen gegenüber. Baumann (Hoffenheim) und Rensing (Düsseldorf) hingegen mussten alle vier Elfmeter, die gegen ihre Mannschaft verhängt wurden, aus dem Netz holen.

Torhüter

Gulacsi (Leipzig) und Sommer (Gladbach) konnten in ihren jeweils 17 Einsätzen sieben Mal mit weißer Weste vom Platz gehen, Nationaltorwart Neuer (Bayern) folgt mit sechs. Die meisten Tore kassierte im Kasten des VfB Stuttgart Zieler: 35, gefolgt von Rensing (Düsseldorf) mit 33 (jeweils in 17 Spielen) und Esser (Hannover) mit 32 (in 16 Spielen)

Gelbe Karten/Platzverweise: „Spitzenreiter“ Ascacibar und William

Insgesamt wurden in der Hinserie 534 gelbe Karten (Vorjahr 516, 2016: 568) und nur 11 gelb-rote Kartons gezeigt.

Die meisten bei den Spielern kassierten mit jeweils sechs Ascacibar (Stuttgart) in 15 und William (Wolfsburg) in 16 Spielen. Das unfairste Team waren in den letzten beiden Jahren die Frankfurter mit 39 bzw. 48 gelben Kartons. In dieser Vorrunde haben sie „nur“ 29 gelbe und eine gelb-rote Karte erhalten und sind damit an 8. Stelle im Fairness-Ranking. Sie wurden von den Schalkern abgelöst: 42 gelbe. Denen folgen die Wolfsburger mit 39 und die Leipziger mit 37 (35x gelb, 1x gelb-rot). Die drei fairsten Mannschaften: Dortmund mit 20 vor Gladbach und FC Bayern mit je 21 (Bayern 19x gelb und 1x gelb-rot). Das unfairste Spiel mit 10 gelben Kartons war das Match zwischen Frankfurt (3) und Wolfsburg (7).

Es gab schon wieder weniger Platzverweise: 11 gelb/rote (Vorjahr 8, davor 16) und nur 9 (2017: 15, 2016: 19) rote Karten. Die insgesamt 40 Hinausstellungen aus der Saison 2015/16 können also noch unterboten werden. Rekord sind immer noch die 98 aus der Saison 1994/95. Hannover hatte die meisten Sünder: 3, Albornoz mit rot sowie Felipe und Sorg mit gelb-rot. Ohne Hinausstellung blieben immerhin sechs (Vorjahr 7, davor nur 2).

Eigentore

gab es so wenige wie lange nicht mehr, nur sieben. Zwei Mal netzten die Stuttgarter ins eigene Netz ein, durch Verteidiger Pavard und Torwart Zieler. Die Wolfsburger durften sich doppelt über Selbsttore ihres Gegners freuen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 

Trainer-Entlassungen

Dieses Mal gab es fast die wenigsten Trainer-Entlassungen aller Bundesliga-Zeiten. Nur Tayfun Korkut (Stuttgart, nach dem 7. Spieltag mit dem VfB auf dem letzten Platz) und am letzten Sonntag Heiko Herrlich. Der stand zwar mit Leverkusen auf Platz 9 und hatte die beiden letzten Spiele siegreich gestaltet, musste aber trotzdem gehen. Letztes Jahr waren es fünf, davor sogar acht Trainer. Nur in der Saison 1972/73 gab es in der Vorrunde überhaupt keine Entlassung, da wurde erst nach dem 23. Spieltag der erste Trainer gefeuert (Hipp, Hannover).

Schiedsrichter

Die meistbeschäftigten Schiedsrichter waren Aytekin, Brych, Gräfe, Stegemann und Zwayer mit je 8 Spielen. Brych erhöhte dadurch sein Gesamtkonto auf 257, Gräfe auf 247 geleitete Spiele in der Bundesliga. Dadurch hat Brych mit Meyer (Platz 3 der SR mit den meisten Einsätzen), Gräfe mit Fandel (Rang 4) gleichgezogen.

Zuschauer:

Mit 6,658 Millionen Zuschauern (Vorjahr: 6,863) kamen mehr als 200.000 Zuschauer weniger zu den 153 Matches als 2017. Das sind im Schnitt 43,516 pro Spiel und damit immer noch absoluter Europarekord. Die meisten Zuschauer pilgerten wie 2017 in folgende Stadien: Dortmund 81.000 (letztes Jahr 81.375 pro Heimspiel), FC Bayern 75.000 und Schalke 62.250 (Vorjahr 61.667). Bemerkenswert: Die Bayern bauen ständig einen Rekord aus, der einzigartig in der ganzen Welt ist: Sie haben in den 11 kompletten Spielzeiten seit 2007/08 und auch in der Vorrunde dieser Saison immer ein ausverkauftes Haus gehabt: Das letzte nicht ausverkaufte Spiel war das 0:0 gegen Bochum am 30.01.2007, da waren „nur“ 64.000 im Münchner Stadion bei damals 67.000 Plätzen. Seitdem: 202 Heimspiele immer ausverkauft.