Saisonbilanz 2019/20
Kategorie: Allgemein
Die Bilanz der Fußball-Bundesliga-Saison 2019/20:
Bester Tore-Durchschnitt seit 33 Jahren
Rekordmeister FC Bayern zum 8. Mal in Folge Meister
Die Gladbacher Borussen waren in der Vorrunde vom 7.-14. Spieltag Tabellenführer, schwächelten dann aber und überließen dem RB Leipzig die „Herbst“meisterschaft. Die Sachsen hatten vor den Westdeutschen zwei Punkte Vorsprung, vier Punkte dahinter die Münchner nur Dritter. Aber mit der besten Rückrunde aller Zeiten – 16 Siege, nur ein Remis (0:0 gegen Leipzig) – ließen sie den Vize Dortmund am Ende 13 Punkte hinter sich. Mit dem 4:0-Erfolg am letzten Spieltag in Wolfsburg knackten sie zudem die 99-Tore-Grenze und blieben nur um ein Goal unter ihrem Rekord aus der Spielzeit 1971/72 (101 Tore).
Deutlich mehr Tore und Auswärtssiege-Rekord
982 Tore. Großartig! Neun Tore mehr als im letzten Jahr: 3,21 pro Spiel. Seit der Saison 1986/87 (990 Tore) wurde nicht mehr so oft der gegnerische Torwart überwunden (1991/92 mit 994 Toren gilt hier nicht, da spielten 20 Vereine)..
Auffällig ist der Rekord an Auswärtssiegen: 114 (bisher 2010/11: 102). Aber: Erzielten die Heimmannschaften in der Vorrunde noch 18 Siege mehr als die Gäste, kehrte sich die Bilanz in der Rückrunde um: die Auswärtsteams weisen acht Siege mehr auf als die Platzherren, in der Corona-Zeit ohne Zuschauer sogar elf. Offensichtlich haben die fehlenden Zuschauer ab dem 26. Spieltag die Gäste noch mehr beflügelt. Hierzu eine zusammenfassende Statistik:
Saison 2019/20 | Spiele | Heimsieg | Remis | Auswärtssieg | Tore gesamt |
gesamt | 306 | 124 | 68 | 114 | 982 |
Vorrunde | 153 | 69 | 33 | 51 | 492 |
Rückrunde | 153 | 55 | 35 | 63 | 490 |
26.-34. Spieltag + Nachholspiel | 82 | 26 | 19 | 37 | 254 |
Doppelpacks
Es gab in dieser Runde 91 Doppelpacks, also Spieler, die in einem Spiel zwei Tore oder mehr erzielten. Darunter waren sogar elf Dreierpacks (ein Spieler zwei: Quaison, Mainz). Den Saisonrekord stellte aber Andrej Kramaric im letzten Saisonspiel auf. Er erzielte in Dortmund alle vier Tore für Hoffenheim. Robert Lewandowski (in 31 Spielen) vom Rekordmeister und der zum FC Chelsea London abgewanderte Leipziger Timo Werner (34) haben die meisten Doppel-/Dreierpacks erzielt: 8. Erling Haaland (Dortmund), der erst zur Rückrunde verpflichtet wurde, folgt mit vier DoPas in nur 15 Spielen. In der ewigen Bestenliste hat „Lewa“ jetzt insgesamt 61 und Jupp Heynckes (51) deutlich abgehängt. Gerd Müller allerdings mit seinen 87 DoPas+ erscheint weiterhin unerreichbar. Die meisten Doppelpacks bei den Torhütern kassierte Pavlenka (Bremen) mit 9 vor Horn (Köln) und Koubek (Augsburg), je 8, sowie Baumann (Hoffenheim) 7. Der erfolgreichste Verein neben dem FC Bayern war Mönchengladbach (je 11) vor Dortmund und Leipzig (je 10). Die meisten Doppelpacks kassierten Augsburg und Bremen (je 9) vor Köln (8).
Wieder viele Joker-Tore
Die 117 Joker-Tore der „Corona“-Saison sind zwar kein Rekord (2018/19: 146), aber mit 3,4 pro Spieltag sehr ordentlich. Der Super-Joker war der im Winter von Red Bull Salzburg nach Dortmund transferierte Erling Haaland. Gleich im ersten Spiel der Rückrunde in der 59. Minute eingewechselt, drehte er einen 1:3-Rückstand des BVB 09 in Augsburg mit drei Toren in einen 5:3-Sieg. Auch in Düsseldorf erzielte er als Einwechselspieler in der Nachspielzeit das entscheidende Tor zum 1:0. Mit insgesamt 6 Toren bei nur 4 Joker-Einsätzen führt er vor dem Freiburger Nils Petersen mit 4 Toren bei 10 Einwechslungen. Immerhin konnte Petersen seinen Vorsprung in der ewigen Joker-Tore-Bestenliste mit jetzt 25 JoTos weiter auf den Zweiten Claudio Pizarro (21) ausbauen.
Bei den Vereinen waren in dieser Spielzeit die Hoffenheimer mit 12 JoTos am besten vor Dortmund (10) und Leipzig (9). Am wenigsten effektiv war in dieser Statistik Absteiger Düsseldorf (1 JoTo) hinter Relegations-Sieger Bremen (2).
Aus- und Einwechslungen
Nach der Corona-Pause durften die Vereine nicht nur drei, sondern sogar bis zu fünf Spieler einwechseln. Also waren statt der üblichen 102 höchstens 120 Aus-/Einwechslungen möglich. Absteiger Paderborn nutzte das ab dem 26. Spieltag 8mal, nur am drittletzten Spieltag wechselten sie nur vier Neue ein, macht insgesamt 119. Der Champion aus München wechselte nur 104mal aus und ein.
Die Spiele mit den meisten Einwechslungen verzeichnete der Schalker Kutucu mit 22 (in 25 Spielen). Am häufigsten, je 18mal, vom Feld geholt wurden Lukebakio (Hertha BSC, in 30 Spielen) und Thuram (Gladbach, 31). Weniger als 90 Minuten auf dem Platz standen Joao Victor (Wolfsburg) 28mal (jeweils 14mal aus- und eingewechselt), seine Teamkollege Brekalo (Wolfsburg) 27mal (16 aus-/11 ein).
Immer dabei
Zehn Spieler standen in allen 34 Saisonspielen auf dem Platz, davon verpassten drei Torhüter keine einzige der 3.060 Minuten: Sommer (GLA), Hradecky (Leverkusen) und Horn (Köln). Die Feldspieler sind Antwi-Adjei (Paderborn), Oczipka (Schalke), Werner (Leipzig), Günter, Petersen (beide Freiburg), sowie Thommy und Zimmermann (beide Düsseldorf). DIe wenigsten Spieler setzte Leverkusen ein: 24 vor Gladbach und Mainz je 25, die meisten Hertha BSC 32 vor Hoffenheim 31 und Bremen 30.
Elfmeter
DerTop-Wert aus der Saison 1974/75 (126) blieb in weiter Ferne, denn es wurden „nur“ 73 Elfmeter verhängt: 59 verwandelt, 13 gehalten und einer landete am Pfosten.
Der erfolgreichste Spieler war der Torschützenkönig dieser Saison und Fußballer des Jahres Robert Lewandowski, der fünf Mal antrat und jedesmal sicher verwandelte. Rouwen Hennings (Düsseldorf) und Wout Weghorst (Wolfsburg) ließen jeweils bei vier Versuchen dem gegnerischen Torwart keine Chance.
Rune Jarstein war bei den Torhütern am ärmsten dran: bei allen sieben Elfmetern, die gegen seine Berliner Hertha verhängt wurden, war er machtlos. Der Hoffenheimer Oliver Baumann konnte von sieben 11ern wenigstens zwei halten, von Plea (Gladbach) und Uth (Köln). Dem Kölner Horn gelang das auch bei sechs Strrafstößen gegen sich, kurioserweise hielt er beide gegen Augsburg, einen in der Hinspielbegegnung von Hahn, den anderen beim Rückspiel von Niederlechner.
Gleich vier Vereine bekamen sechs Elfmeter zugesprochen, waren aber unterschiedlich erfolgreich: Meister FC Bayern verwandelte alle, Freiburg fünf, Gladbach vier und Bremen „versemmelte“ gleich drei. Die TSG Hoffenheim verschuldete sogar acht Elfmeter (2 gehalten von Baumann, siehe oben), Hertha BSC sieben.
Die meisten Elfmeter verhängte Schiedsrichter Storks: sechs bei nur acht Einsätzen.
Torhüter
Weltmeister Manuel Neuer ist der König der „weißen Westen“. Er blieb in 15 (von 33) Spielen ohne Gegentor, ihm folgt der Dortmunder Roman Bürki mit 13 (in 31 Einsätzen) sowie Gulacsi, Leipzig mit 10 (32) wie auch Hradecky, Leverkusen (34 Spiele).
Timo Horn vom 1.FC Köln absolvierte jedes der 34 Spiele, musste 69mal hinter sich greifen und den Ball aus dem eigenen Netz holen. Hinter ihm platziert haben sich Pavlenka (Bremen) mit 67 (33 Spiele), Zingerle (Paderborn) mit 57 (28 Sp.) und Gikiewicz (Union Berlin) mit 54 (32).
Gelbe Karten/Platzverweise
Insgesamt wurden in dieser Saison 1.152 gelbe und 35 gelb-rote Karten gezückt. Der Paderborner Klaus Gjasula stellte einen absoluten Rekord an gelben Karten auf: 17 in 29 Spielen. Damit „übertraf“ er den Duisburger Tomas Hajto, der 16 gelbe Kartons in der Saison 1998/99 sah. Hinter Gjasula folgen die beiden Unioner aus Berlin Robert Andrich mit 13 (11 gelbe, 1 gelb-rote) und Marvin Friedrich mit 11 (9/1). Gjasula sah sieben gelbe Karten in sieben Spielen in Folge, Friedl (Bremen) und Tisserand (Wolfsburg) sechs hintereinander.
Es gibt aber auch einen fairsten Feldspieler, das war Julian Brandt vom Vizemeister Dortmund, der nur ein Mal in der Corona-Saison fehlte und alle seine 33 Spiele ohne gelbe Karte überstand. Überhaupt hat er in seiner BL-Laufbahn erst eine gelbe Karte gesehen, am 4. April 2014 bei der 1:2-Niederlage der Leverkusener beim Hamburger SV. Das war damals sein 7. Spiel in der Eliteliga. Seitdem hat er in 158 Spielen für die Chemiestädter und 33 Spielen für den BVB, also 191 Spielen in Folge keine Karte, auch keine gelb-rote oder rote, gesehen. In der „ewigen“ Bestenliste steht er jetzt schon auf Platz 3, kann den ehemaligen Nationaltorwart und Europameister 1996 Andreas Köpke (212mal in Folge ohne gelb, aber dabei 1x rot) in der kommenden Saison 2020/21 überholen. Weit voraus allerdings ist immer noch der ehemalige südkoreanische Nationalspieler Bum-kun Cha, der von 1979-89 für die Frankfurter Eintracht und Leverkusen in 299 Spielen ohne gelb blieb. Immer als Stürmer eingesetzt, nahm er alle an ihm verübten Fouls mit stoischer Gelassenheit hin und sah lediglich im achtletzten seiner 308 Spiele den ersten und einzigen gelben Karton.
Kommen wir zu den unfairsten/fairsten Teams: die Akteure vom Tabellenletzten Paderborn sahen 84mal gelb (80 gelbe/2 gelb-rote Karten), es folgen Relegationssieger Bremen mit 80 (72/4), Köln 79 (77/1) und Düsseldorf 78 (78/0).
Mit weitem Abstand am fairsten waren die Breisgauer vom SC Freiburg, die nur 43mal gelb sahen (41 gelbe/1x gelb-rot). Es folgen Dortmund mit 49 (47/1), Leipzig 53 (47/3) und FC Bayern 54 (50/2).
In der abgelaufenen Spielzeit gab es eine Premiere: gelbe Karten für Trainer und Funktionäre. Eine Sperre sollte es nach vier gelben Kartons für Trainer geben, die meisten bekam der Gladbacher Trainer Marco Rose: 3, und vermied gerade so das Aussetzen für ein Spiel. Bei den Funktionären gab es 4x gelb und sogar ein Mal rot: der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl protestierte bei der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft in Freiburg so heftig, dass er von Schiedsrichter Markus Schmidt auf die Tribüne geschickt wurde.
Es gab auch wieder mehr Platzverweise: 35 gelb/rote (Vorjahr 22) und immerhin 20 (Vj. 21) rote Karten. Die insgesamt 40 Hinausstellungen aus der Saison 2015/16 wurden deutlich überboten. Rekord sind immer noch die 98 aus der Saison 1994/95. Drei Spieler wurden zwei Mal vom Platz gestellt: Der „böseste Bube“ war Leon Bailey aus Leverkusen. Er flog gleich zweimal vom Platz, und zwar jeweils mit glatt rot als Einwechselspieler. Das hat es auch noch nie gegeben. Die beiden anderen Doppel“sünder“ waren Hübner (Union Berlin, 1x rot/1x gelb-rot) und Plea (Gladbach, 2x gelb-rot).
Zu Bailey passt, dass die Chemiestädter auch der „Spitzenreiter“ bei den Platzverweisen waren: sechs ihrer Spieler mussten vorzeitig das Spielfeld verlassen (3x rot/3x gelb-rot). Wenn sie so weiter agieren, dann werden sie vielleicht in der nächsten Spielzeit den Aufsteiger VfB Stuttgart einholen. Der hat nur 2 Hinausstellungen mehr, nämlich 138, zu verzeichnen. Ganz ohne Platzverweis blieb nur der Absteiger Düsseldorf.
Die Schiedsrichter mit den meisten Rausschmissen waren mit jeweils 6: Brych (3x rot/3x gelb-rot) und Stieler (1/5).
Eigentore
gab es so viele wie lange nicht mehr, immerhin 31. Einen besonderen „Rekord“ stellte der Berliner Torwart Rune Jarstein auf: er lenkte den Ball drei Mal selbst ins Tor. Durch zwei weitere Eigentore von Feldspielern war Hertha BSC auch mit fünf Selbsttoren der Vereins-Spitzenreiter vor Düsseldorf mit vier. Leverkusen hingegen war dreimal Nutznießer durch das Pech ihrer Gegner.
Trainer-Entlassungen
Dieses Mal gab es neun Trainer-Entlassungen. Noch nie war es vorgekommen, dass der Rekordmeister FC Bayern den ersten Trainer in einer Saison entlässt. Jetzt traf es Niko Kovac, den Double-Coach des Vorjahres. Kuriosität in der Vorrunde: Achim Beierlorzer erwischte es beim Neuling 1.FC Köln nach dem 11. Spieltag. Er übernahm nach der Länderspielpause den FSV Mainz 05, der einen Tag nach den Kölnern seinen Trainer Sandro Schwarz feuerte. Die Hauptstädter entließen gleich drei Cheftrainer: erst Ante Covic, dann Jürgen Klinsmann und schließlich Alexander Nouri. Erst Bruno Labbadia schaffte es, die Hertha in sichere Tabellengefilde zu führen. Übrigens: In der Saison 1972/73 gab es die wenigsten Trainer-Entlassungen (2), da wurde erst nach dem 23. Spieltag der erste Trainer gefeuert (Hipp, Hannover).
Die meistbeschäftigten Schiedsrichter waren Felix Brych (München) mit 18 sowie Aytekin, Siebert und Stieler mit je 16 Einsätzen in der 1. Liga. Brych erhöhte dadurch sein Gesamtkonto auf 283, Gräfe (15 Spiele) auf 272 geleitete Spiele in der Bundesliga. Dadurch rückt Brych näher an den auf Platz 3 stehenden Meyer (287 Einsätze) heran. Spitzenreiter Stark (344) und Zweiter Merk (339) sind aber noch weit entfernt.
Zuschauer:
Durch Corona gab es statt 306 nur 223 Spiele mit ca. 9,23 Millionen Zuschauern (Vorjahr: 13,48 Mio.) Das sind im Schnitt 41.386 (2018/19: 44.045) pro Spiel und damit immer noch absoluter Europarekord. Es liegt aber auch daran, dass mit Hannover, Nürnberg und Stuttgart drei Vereine mit größeren Stadien in die 2. Liga abgestiegen waren und zwei Vereine mit kleinen Stadien aufstiegen (Union Berlin und Paderborn).
Die meisten Zuschauer pilgerten wie in der letzten Saison in folgende Stadien: Dortmund 81.833, FC Bayern 75.000 und Schalke 61.462. Bemerkenswert: Die Bayern bauen ständig einen Rekord aus, der einzigartig in der ganzen Fußballwelt ist: Sie haben in den 13 kompletten Spielzeiten seit 2007/08 immer ein volles Haus gehabt: Das letzte nicht ausverkaufte Spiel war das 0:0 gegen Bochum am 30.01.2007, da waren „nur“ 64.000 im Münchner Stadion bei damals 67.000 Plätzen. Seitdem: 232 Heimspiele immer ausverkauft.