Saisonbilanz 2020/21
Kategorie: Allgemein
Die Bilanz der Fußball-Bundesliga-Saison 2020/21:
Das Phänomen Robert Lewandowski
Lewa bricht Gerd Müllers Rekord
Der polnische Nationalstürmer erzielte einen neuen Torrekord. Die 40 Tore von Vereinskollege Gerd Müller aus der Saison 1971/72 schienen für immer unerreichbar, aber Lewa übertraf diese Marke. Seinen 41. Treffer erzielte er am letzten Spieltag in der 90. Minute, obwohl er im Gegensatz zu Müller nicht alle Spiele mitmachte, sondern fünf Mal wegen Verletzung fehlte. Das macht einen Schnitt von 1,4 pro Spiel, unfassbar. Die Münchner stießen Bayer Leverkusen durch ihren 2:1-Sieg bei den Chemiestädtern am 13. Spieltag kurz vor Weihnachten vom Tabellenthron und gaben die Spitze bis zum Schluss nicht mehr ab. Wie 2019/20 hatten sie am Ende 13 Punkte Vorsprung vor dem Vize RasenBallsport Leipzig. Insgesamt erzielten sie 99 Tore, das war nur eins weniger als vor einem Jahr und nur zwei weniger als bei ihrem Rekord aus der Spielzeit 1971/72 (101 Tore).
Nicht mehr so viele Tore und Auswärtssiege
Die 982 Goals aus der letzten Saison das war mit 3,21 Toren pro Spiel der beste Durchschnittswert seit der Saison 1986/87 wurden nicht erreicht. Heuer waren es 928, das ist immer noch ein Schnitt knapp über 3 in jedem Match.
Eklatant der Unterschied in der Verteilung von Heim-, Auswärtssiegen und Unentschieden in der Vor- und Rückrunde. Wie unsere kleine Grafik zeigt, hielten sich Heim- und Auswärtssiege in der Hinrunde die Waage, in der Rückrunde aber gab es wieder deutlich mehr Heimsiege und die magische Grenze von 100 Auswärtssiegen wurde knapp verfehlt, ganz zu schweigen von dem Rekord in der letzten Spielzeit, als die Gäste 114mal drei Punkte mitnahmen.
Saison 2020/21 | Spiele | Heimsieg | Remis | Auswärtssieg | Tore gesamt |
gesamt | 306 | 129 | 81 | 96 | 928 |
Vorrunde | 153 | 53 | 47 | 53 | 466 |
Rückrunde | 153 | 76 | 34 | 43 | 462 |
Doppelpacks
Es gab in dieser Runde 84 (2019/20: 91) Doppelpacks, also Spieler, die in einem Spiel zwei Tore oder mehr erzielten. Darunter waren sogar ein Dutzend Dreierpacks und zwei Viererpacks, letztere natürlich von Lewa und dem Dortmunder Erling Haaland. Als Gerd Müller 1971/72 40 Tore erzielte, waren 12 Doppelpacks dabei, diese Marke erreichte der Norweger fast mit 11, gefolgt von Lewandowski mit 10 und André Silva von der Frankfurter Eintracht mit 7. In der ewigen Bestenliste hat Lewa jetzt insgesamt 71 und Jupp Heynckes (51) deutlich abgehängt. Gerd Müller allerdings mit seinen 87 DoPas+ erscheint immer noch unerreichbar.
Die meisten Doppelpacks bei den Torhütern kassierte Fährmann (Schalke) mit 8 vor Ortega (Bielefeld) und Sommer (Gladbach). Der erfolgreichste Verein neben dem FC Bayern (16) war Dortmund mit 13. Die meisten DoPas kassierten Absteiger Schalke (9) und Frankfurt (8).
Wieder viele Joker-Tore
Die 128 Joker-Tore der zweiten Corona-Saison sind zwar kein Rekord (2018/19: 146), aber mit 3,8 pro Spieltag sehr ordentlich. Mit insgesamt 5 Toren war der Stuttgarter Sasa Kalajdzic der erfolgreichste Einwechsler vor dem Freiburger Nils Petersen und dem Berliner Herthaner Piatek mit jeweils 4 Toren. Immerhin konnte Petersen seinen Vorsprung in der ewigen Joker-Tore-Bestenliste mit jetzt 29 JoTos auf den Zweiten Claudio Pizarro (21) ausbauen. Bei den Vereinen waren in dieser Spielzeit überraschend der Aufsteiger VfB Stuttgart mit 14 vor dem FC Bayern, Leipzig und erstaunlicherweise Absteiger Bremen mit je 10 JoTos am besten. Am wenigsten effektiv war in dieser Statistik der Tabellenletzte und Absteiger Schalke mit 2.
Aus- und Einwechslungen
Während der gesamten Spielzeit durften die Vereine nicht nur drei, sondern sogar bis zu fünf Spieler einwechseln. Also waren statt der üblichen 102 höchstens 170 Aus-/Einwechslungen möglich. Trotzdem ließ Trainer Bosz von Bayer Leverkusen am 24. Spieltag beim 1:0-Sieg in Gladbach alle 11 Akteure durchspielen. Ein Spiel ganz ohne Auswechslung, das war seit dem 7.Februar 2016 nicht mehr vorgekommen. Damals wechselte Trainer Stöger beim 1:1 des 1.FC Köln gegen den Hamburger SV keinen Spieler ein.
Die Spiele mit den meisten Einwechslungen verzeichnete der Bielefelder Sven Schipplock mit 27, der durch seine 5 Auswechslungen in keinem seiner 32 Einsätze 90 Minuten durchspielte. Am häufigsten, je 22mal, vom Feld geholt wurden Kamada (Frankfurt) und Castro (Stuttgart).
Immer dabei
Drei Feldspieler standen in allen 34 Saisonspielen auf dem Platz: die Abwehrorganisatoren Matthias Ginter (Gladbach), Christian Günter (Freiburg) und der aus Guxhagen stammende Unioner aus Berlin, Marvin Friedrich.
Vasilios Pavlidis feierte in der Schlussphase in Köln sein Bundesliga-Debüt für FC Schalke 04 und war damit der 42. eingesetzte Spieler für den Absteiger. Den bisherigen Spieler-Rekord hatte der VfL Wolfsburg in der Saison 2011/2012 mit 36 verschiedenen Akteuren aufgestellt.
Elfmeter
2019/20 wurden nur 73 Elfmeter verhängt, dieses Mal immerhin 111. Der Top-Wert aus der Saison 1974/75 (126) blieb gar nicht so weit entfernt. 86 wurden verwandelt, 18 gehalten und sieben landeten an Pfosten oder Latte bzw. wurden neben das Tor geschossen. Am häufigsten vom Punkt trat der großartige Goalgetter Robert Lewandowski an, der neun Mal schoss und nur am Berliner Torwart Rune Jarstein scheiterte. André Silva (Frankfurt) ließ bei sieben Versuchen dem gegnerischen Torwart keine Chance. Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim und Rafal Gikiewicz vom FC Augsburg standen am häufigsten einem gegnerischen Schützen gegenüber: 9mal. Baumann konnte immerhin zwei 11er halten, ein weiterer ging vorbei. Sechsmal musste er den Ball aus dem Netz holen. Gikiewicz hielt ein Mal, ein anderer Elfer ging an die Latte. Die meisten Elfmeter bekamen die Gladbacher zugesprochen: 11. Einer wurde von Stindl vorbei geschossen. Es folgen mit je 10 die Bayern (einer gehalten) und Leipzig (2).
Torhüter
Diesmal ist nicht Weltmeister Manuel Neuer der König der weißen Westen. Peter Gulacsi hielt in 33 Spielen 15mal seinen Kasten sauber, Koen Casteels aus Wolfsburg folgt knapp dahinter mit 14.
Timo Horn vom 1.FC Köln absolvierte jedes der 34 Spiele (ein Mal ausgewechselt), musste 59mal hinter sich greifen und den Ball aus dem eigenen Netz holen. Hinter ihm platziert hat sich Pavlenka (Bremen) mit 57 (auch 34 Spiele).
Gelbe Karten/Platzverweise
Es gab so wenig Platzverweise wie noch nie seit der Einführung der gelb-roten Karte 1991: 18 gelb/rote (Vorjahr 35) und nur 15 (Vj. 20) rote Karten. Bisheriger Minusrekord waren 40 Hinausstellungen aus der Saison 2015/16. Rekord sind immer noch die 98 aus der Saison 1994/95. Der Freiburger Nicolas Höfler sah die meisten gelben Karten: 11. Damit kam er aber nicht annähernd an den Rekord des Paderborners Klaus Gjasula heran: 17 in 29 Spielen in der Saison 2019/20. Es gibt aber auch einen fairsten Feldspieler, das war Julian Brandt vom Vizemeister Dortmund, der alle seine 31 Saisonspiele ohne gelbe Karte überstand. Überhaupt hat er in seiner BL-Laufbahn erst eine gelbe Karte gesehen, am 4. April 2014 bei der 1:2-Niederlage der Leverkusener beim Hamburger SV. Das war damals sein 7. Spiel in der Eliteliga. Seitdem hat er in 158 Spielen für die Chemiestädter und 64 Spielen für den BVB, also 222 Spielen in Folge keine Karte, auch keine gelb-rote oder rote, gesehen. In der ewigen Bestenliste steht er jetzt auf Platz 2, hat den ehemaligen Nationaltorwart und Europameister 1996 Andreas Köpke (212mal in Folge ohne gelb, aber dabei 1x rot) überholt. Weit voraus allerdings ist immer noch der ehemalige südkoreanische Nationalspieler Bum-kun Cha, der von 1979-89 für die Frankfurter Eintracht und Leverkusen in 299 Spielen ohne gelb blieb. Immer als Stürmer eingesetzt, nahm er alle an ihm verübten Fouls mit stoischer Gelassenheit hin und sah lediglich im achtletzten seiner 308 Spiele den ersten und einzigen gelben Karton.
Eigentore
gab fast so viele wie lange nicht mehr, immerhin 27, aber vier weniger als letzte Spielzeit. Der einzige Spieler mit zwei Eigentoren war der Hoffenheimer Kasim Adams. Es passt zum Absteiger Schalke, dass er mit fünf Selbsttoren der Vereins-Spitzenreiter ist. Einen neuen Nutznießer-Rekord stellte die Frankfurter Eintracht auf. Sie profitierte sechs Mal in der abgelaufenen Saison vom Pech des Gegners.
Trainer-Entlassungen
Dieses Mal gab es so viele Trainer-Trennungen wie noch nie: 16, davon zogen vier Coaches die Ausstiegsklausel.
Die Schalker entließen gleich drei Cheftrainer: nach zwei Spieltagen David Wagner, dann vor Weihnachten Manuel Baum und am letzten Februartag Christian Gross. Übrigens: In der Saison 1972/73 gab es die wenigsten Trainer-Entlassungen (2), da wurde erst nach dem 23. Spieltag der erste Trainer gefeuert (Hipp, Hannover).